Ich habe im Jahr 1995 mein Studium der Sozialpädagogik an der evangelischen Fachhochschule
in Altenbochum mit dem Diplom abgeschlossen. Im Anschluss hieran absolvierte ich von 1995
bis 1996 mein Praxisjahr zur staatlichen Anerkennung als Sozialpädagogin in der Sozial- und
Behindertenberatungsstelle des Akademischen Förderungswerkes Bochum. Seit 1996 habe ich hier
eine Festanstellung als Beraterin.
Als Betroffene (Spinale Muskelatrophie) habe ich selbst die Beratungsstelle zu Beginn meiner
Studienzeit in Bochum und auch studienbegleitend mehrfach aufgesucht. Aufgrund meiner eigenen
Erfahrung als ehemalige Klientin der Beratungsstelle sowie meiner bisherigen beruflichen
Tätigkeit hier bin ich zu der Ansicht gelangt, dass Anlaufstellen dieser Art sowohl im
universitären als auch im außeruniversitären Bereich von immenser Bedeutung sind.
Bereits während meines Studiums habe ich mich intensiv mit der Entwicklung und Entstehung der
"Independent-Living-Bewegung" sowie der entsprechenden "Selbstbestimmt-Leben-Bewegung" hier in
Deutschland auseinander gesetzt. Vor diesem Hintergrund wurde mir bewusst, dass meine ganz
persönliche Entwicklung deutliche Parallelen zu der Entstehung dieser Bewegungen aufweist.
Auch ich musste lernen, ein Selbstbewusstsein zu entwickeln, um dem häufig erfahrenen negativen
Fremdbild im Zusammenhang mit meinem ?Behindertsein' ein positives Selbstbild entgegen setzen zu
können. Letztlich war es mir nur so möglich, zu einer selbstbestimmten und eigenverantwortlichen
Lebensführung zu finden.
Mein ganz persönlicher Prozess der Emanzipation wurde aber vor allem auch durch die Möglichkeit
unterstützt, eine Anlaufstelle wie diese Beratungsstelle gehabt zu haben. Ich bin froh, mit
meiner Tätigkeit hier nun etwas von der selbst erfahrenen Unterstützung an meine Klientel
weiterzugeben und somit dazu beitragen zu können, dass mehr behinderte Menschen zu Experten
in eigener Sache werden.
Team 2004,
Harry Baus,
Claudia Heim,
Anita Heintel,
Melanie Fuge,