Die Wichtigkeit des freien Spiels
Entwicklungspsychologe beobachtete den Alltag der AKAFÖ-Kindertagesstätte
In Kindergärten gibt es viele Tests, die die Entwicklung der Kinder überprüfen, die Bildungs- und Sprachstände ermitteln. Es gibt Programme zur
Förderung von mathematischen Kenntnissen, Lesefähigkeit und sogar Fremdsprachen. Die soziale und emotionale Entwicklung der Kinder wird hingegen
kaum beobachtet – selten fragen wissenschaftliche Untersuchungen danach, wie Kinder sich fühlen. An dieser Stelle setzte jetzt Prof. Axel Schölmerich
von der Arbeitseinheit Entwicklungspsychologie der Ruhr-Universität an. Einen Vormittag lang beobachtete er das Treiben an der Kindertagesstätte des
Akademischen Förderungswerks (AKAFÖ) mit der Filmkamera und stellte seine Ergebnisse Eltern und Erzieherinnen vor.
„Ich will die Aufmerksamkeit auf die emotionale Sicherheit der Kinder lenken, auf Konflikte und die Frage, wofür diese gut sind, auf spontane
Synchronie im Verhalten, die oft ohne wörtliche Abstimmung geschieht“, so Schölmerich. Anhand eines kurzen Filmzusammenschnitts machte er den
gespannten Eltern und Erzieherinnen in der KiTag Prozesse klar, die oft unbewusst ablaufen, für die emotionale Stabilität der Kinder jedoch einen
hohen Stellenwert haben. Ein Beispiel war etwa das Mädchen, das am Morgen neu in die Gruppe kommt und sofort den Körperkontakt zur Erzieherin sucht;
ihre Hand hält, sich auf ihren Schoß setzt. „Solche Handlungen geben den Kindern Sicherheit und sind Voraussetzung für offenes, soziales Verhalten“,
erklärte der Professor.
Vortrag von Prof. Schölmerich vor dem interessierten Podium.
An weiteren Szenen aus dem Innen- und Außenbereich der KiTag des AKAFÖ machte Schölmerich die Wichtigkeit des freien Spiels der Kinder deutlich:
„Sie sollten nicht permanent in der Gruppe sein und gefordert werden, sondern auch mal alleine spielen und ihren eigenen Rhythmus bestimmen.“ Immer
wieder ließen sich im freien Spiel dieselben Muster feststellen: „Die Kinder fragen sich: ‚Wer gibt mir Sicherheit?’ ‚’Wen kann ich beobachten?’,
‚Mit wem kann ich mich abstimmen?“
Die Besonderheit der gemischten Altersgruppen in der uninahen Kindertagesstätte bewertete Schölmerich in der Diskussion insgesamt positiv:
Jüngere ständen zwar mehr im Fokus der Aufmerksamkeit. Für die soziale Entwicklung sei das Prinzip „Jüngere lernen von Älteren“ jedoch durchaus
sinnvoll. In Gruppen mit Kindern gleichen Alters seien die Kämpfe um die Rangfolge oft härter, Erzieher müssten dauernd regulieren.
„Eine gemischte Gruppe ist ruhiger in der Veränderung ihrer Sozialstruktur“, so der Entwicklungspsychologe.
Ein unbeabsichtigter Nebeneffekt der Untersuchung war übrigens die Feststellung, dass männliche Bezugspersonen in Kindertagesstätten sehr begehrt sind.
Der Professor stand sofort im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit. „Man muss sich fragen: Fehlt da was, weil Kindertagesstätten immer noch vornehmlich
weiblich sind?“, folgerte deshalb Schölmerich.
Ob diese Frage in absehbarer Zeit beantwortet werden kann, ist nicht sicher. Alle Beteiligten waren jedoch von der Veranstaltung begeistert und
hoffen auf baldige Fortsetzung.
Auch das Erntedankfest wird im Familienzentrum gefeiert.




