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Pressemitteilung 19.12.2007Drucken | Kontakt | Sitemap |

Sonderauswertung der 18. Sozialerhebung für die Ruhrgebietsuniversitäten

Mit der vorgelegten Sonderauswertung wird die wirtschaftliche und soziale Lage der Studierenden an den Universitäten des Ruhrgebiets beschrieben.


Das Akademische Förderungswerk, das Studentenwerk Dortmund und das Studentenwerk Essen-Duisburg haben diese Sonderauswertung gemeinsam beauftragt, um die besondere soziale Dimension der Studierendenschaften an den Universitäten in ihrem Zuständigkeitsbereich zu verdeutlichen. Die Antworten der Studierenden sollen dazu beitragen, die soziale Infrastruktur und Förderung für die Studierenden bedarfsgerecht zu gestalten.
Die im Zentrum des Ruhrgebietes gegründeten Universitäten Bochum, Dortmund und Duisburg-Essen haben erheblich zur Höherqualifikation der Bevölkerung dieses Wirtschaftsraumes beigetragen, stehen aber auch angesichts der besonderen Sozialstruktur vor einer wesentlich größeren akademischen und sozialen Betreuungsaufgabe als die Hochschulen traditioneller Universitätsstandorte.
Die Auswertungen basieren auf einer Unterstichprobe der 2006 vom Deutschen Studentenwerk und vom Bundesministerium für Bildung und Forschung in Auftrag gegebenen Umfrage unter 54 000 Studierenden. Die Datenerhebung sowie die Aufbereitung der Datenbasis für die Unterstichprobe erfolgten durch das HIS Hochschul-Informations-System.
Die Größe der Unterstichprobe für die Universitäten Bochum, Dortmund und Duisburg-Essen erlaubt nur eine Gesamtaussage über alle drei Universitäten.


Ausgewählte Ergebnisse in Kurzform:


Die wesentlichen Ergebnisse des Berichtes lassen sich in 12 Punkten zusammenfassen:
Die wirtschaftliche und soziale Lage der Studierenden an den Universitäten des Ruhrgebiets in den wichtigsten Punkten

Die Sonderauswertung der bundesweiten Sozialerhebung für die Universitäten des Ruhrgebietes - die Ruhruniversität Bochum, die Universität Dortmund und die Universität Duisburg-Essen - stellt eine Initiative der drei zuständigen Studentenwerke, Akademisches Förderungswerk Bochum, Studentenwerk Dortmund und Studentenwerk Essen-Duisburg, dar. Die systematische Analyse soll sie bei der bedarfsgerechten Ausgestaltung der sozialen Infrastruktur unterstützen.

Die Ausgestaltung der sozialen Infrastruktur und Förderung ist nicht nur eine soziale Dienstleistung für die Studierenden, sondern auch Grundlage für die Steigerung der Effizienz der Universitäten. So setzt die Innovationsoffensive 2006 zur Steigerung der Leistungsfähigkeit des Landes Nordrhein-Westfalen die Erhöhung der Bildungsbeteiligung und eine bessere Ausschöpfung von Bildungspotentialen voraus.

Die drei Universitäten des Ruhrgebiets, die im Zuge der Hochschuloffensive im „hochschulfreien“ Revier gegründet wurden, haben wesentlich dazu beigetragen, dass das Defizit an Hochqualifizierten in der Region ausgeglichen werden konnte. Durch die Stärkung des “weichen Standortfaktors“ haben die Universitäten wesentlich zur Überwindung der Strukturkrise im Ruhrgebiet beigetragen.
Als Universitäten an den Brennpunkten des wirtschaftlichen Umbruchs in der Ruhrregion stehen diese Universitäten stärker als andere Hochschulen mit meist traditionellen Einzugsgebieten vor der Herausforderung der Mobilisierung bildungsferner Schichten und der Sicherung des Studienerfolgs dieser Bildungsaufsteiger.

Alles deutet darauf hin, dass dort, wo Schwierigkeiten im Studium auftreten, diese in erster Linie soziale und wirtschaftliche Gründe haben. Dies gilt für verspäteten Wechsel im Studiengang, Studienunterbrechung, zu geringem Zeitaufwand für das Studium wie für Vorbehalte gegen ein Auslandsstudium.
Für die Studentenwerke stellt sich u. a. die Aufgabe zu erreichen, dass die Förderung auf eine breitere Basis gestellt wird – u. a. auch durch sozialverträgliche Studienbeitragsdarlehen - so dass studentische Erwerbstätigkeit als ein Faktor, der den Studienerfolg gefährdet, auf ein verträgliches Maß zurückgeführt werden kann.
Die Studierenden der ersten Aufsteigergeneration benötigen nicht nur finanzielle Unterstützung, sondern auch verstärkte akademische Orientierung. Stärker als anderswo treten bei den Studierenden der Universitäten des Ruhrgebietes Zweifel am Sinn des Studiums auf.

Durch Einführung von Studienkonten ist an den Universitäten wie landesweit die „Überalterung“ der Studierendenschaft abgebaut. Diese insgesamt positive Entwicklung birgt allerdings auch die Gefahr, dass gesellschaftlich relevante Teilgruppen, wie Studierende mit Kind, Späteinsteiger/innen über den Zweiten Bildungsweg, abgeschreckt werden. Die etwas überdurchschnittlich hohen Anteile an verheirateten Studierenden und Studierenden mit Kindern machen es notwendig, für diese Studierenden besondere Anstrengungen in der sozialen Infrastruktur zu machen (Kindertagesstätten mit Plätzen für Kinder unter 3 Jahren, Appartements für Verheiratete).
Wie überall in Deutschland sind auch an den Universitäten des Ruhrgebiets Kinder aus bildungsfernen Schichten unterrepräsentiert gegenüber dem jeweiligen Anteil in der Bevölkerung. Positiv hervorzuheben ist aber, dass Arbeiterkinder, vor allem aus der Schicht der Facharbeiter in Bochum, Dortmund, Essen und Duisburg stärker vertreten sind als an den meisten Universitätsstandorten des Landes. Das gleiche gilt für den Bildungshintergrund der Eltern. Nach dem Indikator der sozialen Herkunft gehören etwa 18% der Studierenden der Universitäten des Reviers zu den niedrigen sozialen Herkunftsgruppen (bundesweit an Universitäten nur 13%).
Für diese Gruppen tragen die Universitäten des Ruhrgebietes ein höheres Maß an Verantwortung für Orientierung und Studienerfolg. Die Betreuung von der akademischen Seite muss entsprechend intensiviert werden. Diese besondere gesellschaftliche Herauforderung an die Universitäten des Ruhrgebiets ist deshalb so wichtig, weil die Bildungsbeteiligung in den Oberschichten kaum noch zu steigern ist und wesentliche Potentiale nur bei bildungsfernen Bevölkerungsgruppen zu sehen sind.

Bei relativ hohen Lebenshaltungskosten an den großstädtischen Standorten benötigen die Studierenden im Durchschnitt monatlich 786 € zum Leben. Allerdings hat ein Viertel weniger Geld zur Verfügung, als nach dem Unterhaltsbedarfssatz von 640 € vorgesehen ist. Die inzwischen erfolgte Einführung von Studiengebühren dürfte die prekäre Lage vor allem dieser Studierenden noch weiter verschlechtern.
Finanzierungslücken werden bisher durch Eigenverdienst ausgeglichen (29% des Budgets). Durch die inzwischen erfolgte Einführung von Studiengebühren ist eine weitere Zunahme des Jobbens zu befürchten, obwohl diese Finanzierungsquelle bereits im Volumen bedeutender ist als Bafög. Vor allem mit zunehmendem Alter wird diese Einkommensquelle wichtiger, da Eltern meist mit ihren Zuwendungen nachlassen. Die hohe Eigenbeteiligung wird weitgehend akzeptiert mit dem Hinweis, dass die Eltern entlastet werden sollen. Zur Darlehensaufnahme als Alternative besteht bisher wenig Neigung.

Durch die Anpassung der Bemessungsgrenzen sind mehr Studierende in den Genuss der Förderung gekommen. Mit einer Gefördertenquote von 22% liegen die Studierenden der Universitäten des Ruhrgebiets nicht über dem Landesdurchschnitt. Es kommt bei ihnen häufiger vor, dass Leistungsnachweise nicht erbracht werden. 19% haben auf einen Antrag verzichtet, weil man die Anhäufung von Schulden befürchtet. Bei dieser verständlichen Sorge wird allerdings übersehen, dass durch die bevorzugte Alternative der Selbstfinanzierung (mehr Jobben neben dem Studium, längere Studiendauer) evtl. höheres Lebenseinkommen entgeht.

70% aller Studierenden im Erststudium jobben während des Semesters. Diese hohe Quote ist landesweit üblich. Nach ständiger Zunahme der studentischen Erwerbstätigkeit neben dem Studium ist erfreulicherweise erstmals ein Rückgang bei den Quoten in NRW eingetreten. Allerdings liegt an den Universitäten des Ruhrgebiets die Quote der laufend Jobbenden mit 46% besonders hoch.
Jobben hat in der Regel zwei Funktionen: Sicherung des Lebensunterhalts und Konsumbefriedigung. Außerdem sind die Motive sehr unterschiedlich: Unabhängigkeit vom Elternhaus, Anbahnung von Berufskarrieren. Bedauerlich ist, dass an den Universitäten des Ruhrgebiets die Jobs noch weniger studienspezifisch organisiert werden als anderswo.

Studierende an den Universitäten des Ruhrgebiets benötigen zur Bestreitung ihrer Grundbedürfnisse mehr Geld als landesweit. Mieten, welche ein Drittel des studentischen Budgets ausmachen, liegen deutlich höher als in mittelgroßen Universitätsstädten. Die höheren Mietkosten werden durch Einschränkungen in anderen Lebensbereichen kompensiert.
In der Summe machen die studentischen Ausgaben eine nicht zu unterschätzende Kaufkraft aus. Hochgerechnet bringen die Studierenden der drei Universitäten des Ruhrgebiets jährlich 443 Mio. € in den Wirtschaftskreislauf der Region. Dies rechtfertigt besondere kommunale Infrastrukturleistungen..

Mehr der Not gehorchend nutzen 39% der Studierenden weiterhin das Elternhaus als kostengünstige Wohnmöglichkeit (NRW nur 27%). Die „Hochschulen vor der Haustür“ unterstützen den Trend, fördern allerdings nicht die stärkere Identifikation mit der universitären Lebenswelt.
Die Wohnwünsche gehen mit zunehmendem Alter eindeutig in Richtung eigene Wohnung. Das studentische Wohnheim ist aber ein wichtiges Angebot für den Loslösungsprozess vom Elternhaus und in der Regel die erste Anlaufstation der Studierenden. 5% der deutschen Studierenden der Universitäten des Ruhrgebiets finden dort einen Platz. 12% der Studierenden hätten hingegen gern einen Wohnheimplatz. Insofern besteht ein Mehrbedarf, den die Studentenwerke neben den erfolgten Modernisierungsmaßnahmen befriedigen sollten.

Das Mittagsangebot in den Mensen des Studentenwerks erreicht zwei Drittel aller Studierenden der Universitäten des Ruhrgebiets. Dieser Frequenzwert liegt deutlich unter der landesweiten Quote. Auch die Stammesserquote liegt niedriger. Dies ist auf externe Strukturbedingungen (mehr Pendler, mehr Erwerbstätige) zurückzuführen, nicht auf das Mensaangebot selbst. Das Angebot wird als funktional, preisgünstig und hochwertig beurteilt.
Als Hauptablehnungsgrund von Studierenden, die selten oder nie in die Mensa gehen, wird vor allem das Zeitmanagement genannt, vor allem die schwierige Abstimmung mit den Vorlesungsterminen.

Wie an allen deutschen Hochschulen haben ungefähr zwei Drittel der Studierenden der Universitäten des Ruhrgebiets Beratungs- und Informationsbedarf. Die richtige Beratung hilft nicht nur der/dem einzelnen Studierenden, sondern trägt letztlich zur Effizienz der Hochschule bei.
Bis auf die finanzbezogenen Problemfelder, die am häufigsten genannt wurden, sind studienleistungsbezogene und psychologische Probleme Gegenstand der Beratung.
Das Problemprofil entspricht zwar weitgehend dem Beratungsbedarf an anderen Hochschulen Nordrhein-Westfalens, doch ist es bei den Studierenden Universitäten des Ruhrgebiets deutlich hochschwelliger ausgeprägt. Dies gilt sowohl für Probleme mit der Studienorganisation (z. B. Zweifel am Sinn des Studiums) als auch für persönliche Krisen (z. B. mangelndes Selbstwertgefühl). Dies unterstreicht den Hinweis, dass auf Grund der besonderen sozialen Zusammensetzung der Studierendenschaften neben der sozialen Betreuung auch eine verstärkte akademische Beratung und Anleitung im Studium erforderlich ist. Auffällig ist, dass Studenten stärker als Studentinnen Verhaltens- und Leistungsschwierigkeiten mit entsprechendem Beratungsbedarf äußern.
Eine besondere Unterstützung benötigen diejenigen Studierenden, die behindert oder chronisch krank sind. Unter den 24%, die mit diesen Schwierigkeiten studieren, fühlen sich 9% im Studium beeinträchtigt.

Die 50seitige Sonderauswertung finden Sie als PDF in unserem Downloadbereich:
Sonderauswertung
Zur 18. Sozialerhebung

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