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Vom Flüchtling zum Kollegen

/ Der Syrer Issam Mohammad arbeitet seit vier Monaten beim AKAFÖ

Issam Mohammad arbeitet seit vier Monaten beim AKAFÖ.

Issam Mohammads Tage verlaufen ruhig, geregelt, ohne Überraschungen. Morgens um sieben fängt seine Schicht beim AKAFÖ an, achteinhalb Stunden, von montags bis freitags. Der 38-Jährige arbeitet im Hausdienst der Mensa, sein dreiköpfiges Team entsorgt Kartonagen, leert Abfalleimer, führt Transporte durch. Um 15.30 Uhr ist Schluss, dann geht es nach Hause zu seiner Frau und den beiden Kindern. Ein typischer Familienvater mit einem normalen Job. Nichts Besonderes.

Und doch alles andere als normal. Denn eigentlich war Mohammad von Beruf mal Schneider, eigentlich lebte er im syrischen Aleppo. Wenn man heute die Bilder und Nachrichten aus der zerstörten Stadt sieht, weiß man, dass es untertrieben wäre, zu sagen, Issam Mohammads Leben habe sich von Grund auf geändert.

Flucht übers Meer

Issam Mohammad ist Kurde, unbeschwert war sein Leben als Teil dieser Minderheit sowieso nie, aber der Bürgerkrieg in Syrien ließ es unerträglich werden. Anfang 2015 schließlich flohen die Mohammads, es ging zunächst in die Türkei. Man habe ihn zwingen wollen, in der syrischen Armee zu kämpfen, so Issam Mohammad. Also sei er davongelaufen. 

In der Türkei fand er Arbeit, aber syrische Flüchtlinge seien so schlecht bezahlt worden, dass es für die Familie nicht gereicht habe, berichtet er. Und so ging es weiter, übers Meer, zu den griechischen Inseln, von dort auf die Balkan-Route, immer weiter, irgendwie. "Manchmal mit Zug, manchmal laufen, manchmal im Bus", erzählt Mohammad. Durch Mazedonien, Serbien, Ungarn. Dann die letzte Etappe: mit dem Zug nach Deutschland, nach Dortmund. Das war am 3. August 2015. Seit September 2015 leben die Mohammads in Bochum.

Kein Deutschkurs, keine Arbeit

Er habe sich sofort auf Arbeitssuche gemacht, so Mohammad, aber es sei schwer gewesen, welche zu finden - beziehungsweise, überhaupt erst eine Arbeitserlaubnis zu erhalten. Auf dem Arbeitsamt habe man ihm gesagt, dass er zunächst einen Deutschkurs absolvieren müsse, bevor man ihm helfen könne. Mohammad hat das nicht verstanden: "Ich will keinen Kurs, ich will arbeiten. Deutsch lerne ich zuhause im Internet." Aber die Bürokratie blieb dabei: kein Kurs, keine Arbeit und da die Deutschkurse absolut überbelegt waren, hätte Mohammad lange auf sein erstes selbstverdientes Geld in Deutschland warten können, wenn er nicht durch Zufall Tanya Wolf getroffen hätte.

Wolf, Personalratsvorsitzende beim AKAFÖ, engagiert sich ehrenamtlich in der Flüchtlingshilfe und als Mohammad sie fragte, ob es nicht vielleicht beim AKAFÖ einen Job für ihn gebe, vermittelte sie ihn an das Hausdienste-Team. Sehr zu Mohammads Erleichterung: "Ich wollte schnell arbeiten, nicht dem Staat auf der Tasche liegen", sagt er.

Die neuen Kollegen beim AKAFÖ sind sehr angetan von ihrem Team-Mitglied aus Syrien. "Issam ist superhilfsbereit, versucht, überall zu helfen. Er hat sich sehr gut in das Team integriert", lobt Bereichsleiter Michael Agethen. und auch Mohammad fühlt sich wohl: "Ich würde gerne hier bleiben. Alle sind gut. Alles meine Kollegen."

"In Syrien ist nichts mehr"

Fragt man ihn nach dem Leben in Aleppo, erzählt er von Zerstörung, von Gewalt, von Entführung, Erpressung und Mord, eine Geschichte von täglicher Angst in einer sterbenden Stadt. Er schüttelt den Kopf: "In Syrien ist nichts mehr. Hier ist meine Heimat."

 

 

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