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Veränderungen? „Respekt ja, Angst nein.“

/ Interview zum 60. Geburtstag von AKAFÖ-Geschäftsführer Jörg Lüken

"Ich schätze und liebe diese Region und ihre Menschen."

Am heutigen Donnerstag, den 1. Februar, wird Jörg Lüken 60 Jahre alt. Seit 30 Jahren ist er beim Akademischen Förderungswerk, seit 2001 als Geschäftsführer. Ein Gespräch über den Beruf, Toleranz, alte und neue Zeiten, Lokalpatriotismus und Ziele für die Zukunft.

Lieber Herr Lüken, zunächst einmal herzlichen Glückwunsch und alles Gute zum 60. Geburtstag!

JL: Vielen herzlichen Dank!

Wenn Sie 60 Jahre Revue passieren lassen: War der Einstieg ins AKAFÖ ein besonderer Moment Ihres Lebens?

JL: Beruflich gesehen ganz klar. Vor genau 30 Jahren war das. Ich bin also bereits die Hälfte meiner Lebenszeit hier. Das war damals schon etwas ganz, ganz Besonderes für mich. Ich kann mich noch sehr gut daran erinnern, wie beeindruckt ich von der Größe der Universität war. Zum Vorstellungsgespräch wusste ich gar nicht, wo ich hinmusste. Ich habe nach dem AKAFÖ gefragt und dadurch den ganzen Campus kennengelernt. Glücklicherweise hatte ich viel Zeit eingeplant.

In den AKAFÖ-Wohnheimen leben Menschen aus 106 Nationen. Die jungen Leute haben heutzutage sehr viele Möglichkeiten – z. B. für Auslandsaufenthalte. Bedauern Sie, dass es solche Möglichkeiten nicht gab, als Sie jung waren?

JL: Nein, eigentlich nicht. Inzwischen ist es einfach eine andere Zeit. Es ist doch toll, dass es heute anders ist. Die Möglichkeiten der Internationalisierung sind großartig. Natürlich verändert sich die Welt dadurch in einem rasanten Tempo. Ich kann nur sagen, dass man Respekt, aber keine Angst vor damit verbundenen Herausforderungen haben sollte.

Sind Sie durch den Beruf automatisch immer am Puls der Zeit geblieben?

JL: Ja und dafür bin ich sehr dankbar. Die Toleranz gegenüber allen Menschen – egal welcher Herkunft, welcher Hautfarbe, welchen Geschlechts – ist an der Universität sehr ausgeprägt. Unsere Zielgruppe ist immer die junge Generation. Alleine dadurch hat sich mein Gespür für gesellschaftliche Veränderungen sehr verändert.

Generell: Würden Sie lieber in der heutigen Zeit aufwachsen?

JL: Ganz im Gegenteil. Es gibt heute natürlich viele tolle Dinge und Möglichkeiten – aber die stehen mir ebenfalls zur Verfügung. Und ich sehe auch einen unglaublichen Leistungsdruck in der Gesellschaft. Ich empfinde das für viele junge Menschen als sehr belastend. So wie sich meine Karriere als Quereinsteiger entwickelt hat, funktioniert das heute wohl nicht mehr. Da wäre an irgendeinem Punkt Ende gewesen.

Aus heutiger Sicht: Würden Sie etwas anders machen?

JL: Vermutlich würde ich vieles anders machen, aber ich habe da nie drüber nachgedacht. Fehler sind nun einmal passiert. Ich habe daraus immer gelernt. Und ich habe viel gelernt…

Hat es sich bisher gelohnt, beim AKAFÖ zu arbeiten?

JL: Auf jeden Fall. Sonst wäre ich nicht so lange hier. Man muss ja nur einmal betrachten, in wie vielen Positionen ich beim AKAFÖ gearbeitet habe. Da hat man auch alle schwierigen Phasen des Unternehmens mitbekommen. Und man sieht, wo wir jetzt stehen. Alleine deshalb hat es sich gelohnt, hier zu arbeiten. Dafür muss man noch nicht einmal Geschäftsführer sein, denn jeder Beschäftigte kann das Unternehmen mitgestalten. Wenn man zurückblickt, stellt man fest, dass das AKAFÖ in den letzten 15-20 Jahren starke Veränderungen durchgemacht hat. Jetzt haben wir eine wirklich gute Perspektive.

Ist das AKAFÖ in gewisser Weise abhängig von der Arbeit der Hochschulen?

JL: Natürlich sind wir davon abhängig. Die Anzahl der Studierenden spielt eine große Rolle für uns, aber auch, ob es der Hochschule gut geht und ob sie gut arbeitet. Ich hoffe aber, dass auch die Hochschulen abhängig von den guten Leistungen des AKAFÖ sind.

Wir konnten in den letzten Jahren glücklicherweise immer aufeinander zugehen und haben uns gemeinsam permanent verbessert, jeder in seinem Aufgabenfeld. Die dazu nötigen Netzwerke innerhalb des Hochschulumfelds würde ich als außergewöhnlich gut bezeichnen.

Mit den Hochschulen im Zuständigkeitsbereich des AKAFÖ bin ich auf jeden Fall sehr glücklich.

Durch Ihre Biographie zieht sich diese Region. Sie sind stark mit dem Ruhrgebiet und der Umgebung verbunden. Sind Sie lokalpatriotisch?

JL: Ja, in gewisser Weise schon. Ich bin natürlich ein Lokalpatriot für Marl, die Stadt in der ich lebe. Aber ich habe Bochum genauso lieb. Bochum ist einfach anders, als andere mir bekannte große Städte. Hier herrscht teilweise ein kleinstädtisches Gefühl mit einem großstädtischen Flair – oder auch mal umgekehrt. Alle sind freundlich und hilfsbereit, es gibt tolle Netzwerke. Ich hatte nie das Gefühl, dass ich hier, aus dem Ruhrgebiet, weggehen müsste. Ich schätze und liebe diese Region und ihre Menschen.

Was haben Sie für Ziele für die Zukunft?

JL: Man weiß, wenn man 60 Jahre alt wird: Das ist der letzte runde Geburtstag vor dem Ruhestand. Und bei manchen Projekten, die noch anstehen, ist der verbleibende Zeithorizont doch sehr sportlich. Es gibt noch immer viel im Bereich der Wohnanlagen zu tun: Es stehen Sanierungen an und wir errichten weitere Wohnanlagen. Auch die neue Kindertagesstätte am Lennershof ist ein wichtiges Projekt, das mir am Herzen liegt. Genauso zählen Verbesserungen der gastronomischen Einrichtungen dazu. Und ein sehr großes Ziel ist dann, dass der Übergang in eine neue Geschäftsführung gut funktioniert. Dazu bin ich den Beschäftigten des AKAFÖ verpflichtet.

Was ich aber auch ganz klar sagen muss: Wenn ich dann weg bin, bin ich weg. Ich gehöre nicht zu denjenigen, die dann immer noch hinterhergucken – das ist zumindest das, was ich mir vorgenommen habe. Aber bis dahin ist viel Zeit und ich möchte noch einiges gestalten.

Letztlich kann ich sagen: Beruflich und privat bin ich ein total glücklicher Mensch. Ich habe in beiden Bereichen mehr erreicht, als ich mir jemals erträumt hätte.

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